Ein Tag der Klasse 1b in der Projektwoche ’50 Jahre SADG‘

Schule Tilsiter Straße – das war der Name unserer Schule An der Gartenstadt, als sie 1963 nach über zweijähriger Bauzeit eingeweiht wurde.

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„Aufstehen, begrüßen!“ – 24 Jungen und Mädchen der 1b springen auf, verbeugen sich und knicksen in Richtung der Lehrer. So traditionell geht es normalerweise nicht bei uns zu, in dieser Jubiläumswoche „50 Jahre SADG“ ist jedoch alles anders. Von der Decke hängt von den Schülern angefertigte Kunst des Space Age in typischen Schwarz-Weiß-Mustern und macht sichtbar, dass wir uns aktuell in einer anderen Zeit befinden.

 

Wie auch an den anderen Projekttagen nehmen wir uns Zeit für ein gemeinsames und durch die Schüler selbstorganisiertes Frühstück. Die Lehrer sorgen für Brötchen und eine Grundausstattung an Belag. Es ist spannend, ob der Wunsch nach zum Beispiel einem Schokoaufstrich in eine Aktion des Mitbringens überführt wurde. Nein, heute nicht. Und: Mal wieder etwas gelernt. Was mir wichtig ist, darum muss ich mich kümmern. Also gibt es ganz klassisch Aufschnitt, Schnittkäse, Frischkäse und Marmelade auf das gebutterte oder nichtgebutterte Brötchen, je nach Belieben.

 

Schon ist die Frühstückszeit vorbei. Schnell müssen wir aufräumen, warten doch gleich Kinder der anderen Klassen vor der Tür, die noch nicht als Gruppe im Austausch mit unseren Schülern in der 1b waren. Wie schön, dass wir so einander kennenlernen können. Es ist aufgeräumt, wir sind bereit. Der Großteil unserer 1b verschwindet zum Austausch in die anderen ersten Klassen, während Schüler der 1 a, c, d und e zu uns kommen. Mit Namensschildern ausgestattet vertiefen wir uns umgehend ins Kreisspiel, dem Pauken. Reihum wird die Zahlenreihe aufgesagt, bei wem es hakt, der gibt ein Pfand ab und erhält es später nach Erfüllung einer vom „Bock“ gestellten Aufgabe zurück. Mit Eifer rufen alle im Kreis „Bock, Bock, Bock! Was soll derjenige tun, dem dieses Pfand gehört?“ Nach einem weiteren Spiel haben sich nun wieder mehr Schüler der ersten Klassen mit Namen kennengelernt und die liebsten Spiele „ohne Kabel“ der JahrgangsmitschülerInnen erfahren. Und darum geht es: Was wurde in den 60iger Jahren gespielt?

 

Drinnen- und Draußenspiele sind vorbereitet. Einige davon sind den Kindern bekannt und werden auch Zuhause mit der Familie gern gespielt. Da ist man als Lehrer sehr beeindruckt angesichts der Flut elektronischer Unterhaltungsmedien wie Spielkonsolen, Filmen und Computerspielen, von denen sonst auf die Frage „Was hast du gespielt?“ überwiegend und mit Begeisterung berichtet wird. Auch am heutigen Donnerstag finden sich unter den Schülern wieder viele Experten für Mühle, Gummiringschnipsen, Streichholzstapeln, Klickern mit Marmeln (Murmelschießen), Diabolo, Gummitwist, Springseiltricks, Namenball, Straßentennis, Federball und einige andere Spiele. Nachdem die „Regenzeit“ der letzten Tage eine Pause macht, strömen die Kinder aus dem Klassenraum hinaus auf den Schulhof und spielen mit den Klassikern. Anfangs unter Anleitung und anschließend selbstständig Draußenspiele der 60iger Jahre.

Nach einer langen Spielzeit bei wunderbarem Wetter wieder in der Klasse versammelt, sitzen die Kinder an den Gruppentischen und füllen ihr Projekttagebuch mit Inhalt zum heutigen Tag.

 

Unseres wie gewohnt abgefragten Feedbacks hätte es heute gar nicht bedurft: Seelig, entspannt und ungewöhnlich ruhig sitzen die Kinder zusammen und sind sicheinig, dass die Spiele aus der Gründungszeit unserer Schule mindestens so spannend wie leicht zu spielen waren und eine Bereicherung für zukünftige Pausen sind.Da denke ich an den Rat „Einfach mal abschalten“ von Peter Lustig, dem „Löwenzahnmann“ aus meiner Kindheit und wie recht er damit doch hatte. Spielen geht entspannender auch ohne Strom.

 

 

von Sonja Carstens, Mai 2013

 

Literaturtipp: Damals spielten wir noch draußen! Unsere Kinderspiele in den 50er und 60er Jahren (Blecher, H.)

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